Ö1

Radiokolleg - Gruppen machen Menschen

Von der Urhorde zur Whatsapp Group (2). Gestaltung: Christian Schüller Selbstbestimmung und Individualität gelten als wichtige Errungenschaften der westlichen Gesellschaft. Doch wie unabhängig sind wir voneinander wirklich? Psychologie, Verhaltensforschung und Biologie haben längst gezeigt, dass vor dem Ich das Wir kommt. Es sind Rollen, die unser Verhalten bestimmen - ob im Kindergarten, am Arbeitsplatz oder in sozialen Medien. Wie funktionieren Gruppen, zu denen wir freiwillig oder unfreiwillig gehören? Was machen sie mit uns? Und was können wir mit Gruppen machen? *Der Zwang zur Gruppe* Arbeitgeber haben zwar erkannt, dass der Teamgeist kleiner Gruppen sehr motivierend sein kann. Dem steht aber die Angst gegenüber, abgesonderte Untergruppen könnten sich der Kontrolle entziehen. Großraumbüros sollen Abhilfe schaffen, werden aber von Mitarbeiterinnen oft als Zumutung empfunden. Wie groß oder wie klein sollen Arbeitsgruppen sein? Und was macht eigentlich ihren Zusammenhalt aus? Die Beobachtung von Organisationen zeigt, dass sich in Arbeitsteams häufig Muster der Kleinfamilie wiederholen. Rollenkonflikte, Angst vor Kontrollverlust, Abhängigkeiten, Ohnmachtsgefühle und die Neigung zu Sündenböcken prägen auch den Arbeitsplatz. Oft spielen Mitarbeiterinnen im Team eine Rolle, die sie aus ihrer Herkunftsfamilie gewohnt sind. Und doch hat auch die Kerngruppe Familie viele Veränderungen durchgemacht. In der Patchwork-Familie werden Eltern-Rollen vielfach besetzt, Verantwortung wird unklarer, Kinder müssen sich flexibler verhalten - ähnlich dem, wie moderne Unternehmen funktionieren. Lebenslanges Lernen und Anpassen - für viele eine Entwicklungschance, für andere ein Alptraum.
Dienstag 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

oskar maria grafOskar Maria Graf Wir sind Gefangene Leo Tolstoi Leben und Werk Das Kalenderblatt 23.7.1697 Erste deutsche Klassenlotterie in Leipzig Von Martin Trauner Oskar Maria Graf - Wir sind Gefangene Autor: Herbert Becker / Regie: Sabine Kienhöfer Einen "Provinzschriftsteller" nannte sich Oskar Maria Graf voller Selbstironie, und viele halten ihn noch heute für einen Bauern- und Kleinstadtdichter. Doch Carl Zuckmayer, der ihn als einen der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts bezeichnete, kam der Wahrheit sehr viel näher. Graf war Sozialist, Anarchist und Pazifist, vor allem aber war er Antifaschist. Wütend schrieb er gegen jegliches Unrecht an, und als seine Schriften bei den Bücherverbrennungen der Nazis 1933 verschont wurden, forderte er in einem Pamphlet, auch sie "der reinen Flamme des Scheiterhaufens" zu überantworten, anstatt sie "in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen" zu lassen. Nach seiner Ausbürgerung aus Deutschland und einer langen Odyssee fand er in New York eine neue Heimat. Noch bei seiner ersten Europareise im Jahr 1958 trug er während einer Lesung im Münchner Cuvilliéstheater seine geliebten Lederhosen - und provozierte damit prompt einen Eklat. Leo Tolstoi - Leben und Werk Autorin: Christine Hamel / Regie: Martin Trauner Tolstois große Romane wie "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina" haben Millionen von Lesern erreicht, mehr noch, sie haben ganze Generationen regelrecht mit "Tolstoi-Fieber" infiziert. Tolstoi lesen heißt, die Konturen des Selbst herausschälen, sich gleich wie in einem Selbstverhör zu entblößen. Als psychologischer Realist versteht es der Romancier die menschliche Natur präzise und nuancenreich darzustellen. In seiner zweiten Lebenshälfte gewinnt ein gesellschaftlicher Auftrag immer mehr an Bedeutung: Seine religiösen und sozialen Anschauungen drückt der Schriftsteller in zahlreichen theoretischen Schriften aus. Zwischen Kunstform und Traktat changiert dabei die Erzählung "Die Kreutzersonate" von 1886, in der Tolstoi die Ehe unter die Lupe nimmt. Moderation: Kristina Thiele Redaktion: Andrea Bräu
Dienstag 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Pigmente

bunte WeltPartikel für eine bunte Welt (2). Gestaltung: Sabine Nikolay "Pigment" ist die Bezeichnung für farbgebende Substanzen. Ohne sie wäre das Blut nicht rot, wären Blätter nicht grün, Haare nicht blond und die Haut von Tieren und Menschen durchsichtig. Pigmente dienen in der Natur und in der Kultur als Orientierung, haben Signalwirkung, sind Tarnung und Täuschung und bieten in ihrer organischen Form Schutz vor der Sonne. Ohne Farben kein Michelangelo, kein Raffael, keine Maria Lassnig ... und natürlich keine Höhlenmalerei! Über 40.000 Jahre alt sind die Zeichnungen aus der spanischen La Castillo-Höhle, gemalen mit Pigmenten von Holzkohle, Ocker und Lehm. Ein Farbstoff sticht unter allen anderen hervor: Das tiefblaue Indigo, das aus Indien nach Europa kam und als Farbe für Textilien einen Siegeszug antrat: ohne Indigo keine Arbeitskleidung, keine Jeans, kein "Blaumann" und auch kein "blau machen". Das Gegenstück für den Farbstoff Indigo ist das Pigment Ultramarin, ein Gestein von geradezu himmlischer Farbe - das in der Malerei passenderweise für die Farbgebung des Himmels aber auch den Mantel der Maria auf unzähligen Gemälden von unschätzbarem Wert war. Es wurde teurer gehandelt als Gold, kommt vor allem in Afghanistan vor, und ist mit ein Grund, warum dieses Land über Jahrhunderte ausgebeutet und seine gewachsene Kultur zerstört wurde. Pigmente und Farbstoffe lassen sich in drei Gruppen einteilen: anorganische, mineralische Pigmente; organische, die in Flora und Fauna zu finden sind, und von Menschen geschaffene Effektpigmente auf chemischer Basis. Welche Folge hat das Fehlen von Pigmenten für alle Organismen? Wie (über)leben Menschen und Tiere, denen alle Pigmente fehlen, die an "Albinismus" erkranken? Und: sind nun Cochenille-Läuse im tiefroten beliebten Sommerdrink oder nicht? - Ein Streifzug durch unsere farbenfrohe Welt und ihre Bedeutung.
Dienstag 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Konzert für Stimme und Kurbelorchester

matthias loibnerNatasa Mirkovic Matthias Loibner im Doppelporträt (2). Gestaltung: Dorothee Frank Mit "Sängerin" und "Drehleierspieler" wäre das musikalische Tun von Natasa Mirkovic und Matthias Loibner nur unzureichend beschrieben. Beide mäandern zwischen Barock und Rock, traditioneller Musik unterschiedlicher Provenienz, Jazz und Elektronik. Natasa Mirkovic mit einer Stimme, die Gänsehaut erzeugt, insbesondere in der Darstellung von Trauer und Schmerz und deren Überwindung mit musikalischen Mitteln. Matthias Loibner hat die Drehleier zu seinem Multi-Instrument gemacht. Unplugged, oder auch mit Live-Elektronik zum zeitgenössischen "Kurbelorchester" erweitert, und zwar durch ein selbst konzipiertes "Kastl" plus Software. Die beiden haben schon im Sandy Lopicic Orkestar zusammen gearbeitet. Eines ihrer wichtigsten Duoprojekte ist Schuberts Zyklus "Winterreise", für Stimme und Drehleier adaptiert. Ein Konzert in der Elbphilharmonie im Februar 2018 erbrachte eine glänzende Rezension in der New York Times. Das Doppelporträt im "Radiokolleg" beobachtet Natasa Mirkovic und Matthias Loibner bei ihren jeweils eigenen, stilistisch vielfältigen Unternehmungen und an ihrer Schnittstelle als Duo.
Dienstag 09:45 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

glenn millerGlenn Miller "In the Mood" Die Swingjugend und der NS Wie Jugendliche aus der Reihe tanzten Das Kalenderblatt 23.7.1697 Erste deutsche Klassenlotterie in Leipzig Von Martin Trauner Glenn Miller - "In the Mood" Autor und Regie: Frank Halbach Glenn Miller: Bandleader, Arrangeur, Komponist, Posaunist, Legende. Legende, weil es zu den näheren Umständen seines viel zu frühen Todes kaum harte Fakten gibt. Fest steht nur, dass er für das Army Air Force Orchestra als überzeugter Patriot und Nazi-Gegner im Dezember 1944 nach Paris unterwegs war - und dort nie ankam. Legende wegen Hits wie "Moonlight Serenade", "Chattanooga Choo Choo", "Pennsylvania 6-5000" und natürlich "In the Mood". Legende aufgrund des unverkennbaren Glenn Miller Sounds - der allerdings zufällig entsteht: Nach einem Ausfall der ersten Trompete übernimmt während eines Konzerts die Klarinette die führende Trompetenstimme. Selbst komponiert hat Glenn Miller außer "Moonlight Serenade" keinen seiner großen Erfolge. Sein besonderes Talent war das Arrangement - und das Geschäftliche. Seine Band war nicht nur eine Kapelle, sondern eine Firma, inklusive PR-Abteilung. Für "Chattanooga Choo Choo" erhielt Miller 1942 die erste goldene Schallplatte der Musikgeschichte. Spätestens damit wird Glenn zum Inbegriff "weißer" Swing-Musik und zum Standard-Groove-Repertoire jedes Musikers. Bing Crosby meinte: "Glenn Miller war der Größte. Es war erkennbar, es blieb haften, es war einfach schön. Es war: Glenn Miller." Die Swingjugend und der NS - Wie Jugendliche aus der Reihe tanzten Autor: Lukas Grasberger / Regie: Martin Trauner Der Swing war die erste Jugendbewegung, die zwischen den Weltkriegen von den USA nach Europa schwappte. Doch während die Swing-Kids in London oder Paris ihre Leidenschaft frei ausleben konnten, überzogen die Nationalsozialisten die deutsche Swing-Jugend in den 1930er- und 1940er-Jahren mit Verboten, Schikanen und Strafen. Die "Swing-Heinis", wie sie sich selber nannten, passten nicht in die Erziehung des Dritten Reichs zu Gleichschritt, Aufopferungsbereitschaft und Wehrhaftigkeit. Kinder und Jugendliche sollten möglichst früh kontrolliert, ihnen NS-Ideologie eingeimpft werden. Die Swing-Jugendlichen zeigten indes in Haltung und Kleidung ihre Opposition zur gleichförmigen Volksgemeinschaft: Mit langen Haaren, langen Mänteln und viel Lässigkeit hoben sie sich bewusst vom Stil und Auftreten der Hitlerjugend ab. Die NS-Machthaber begriffen bald das subversive Potenzial der Swingjugend. Historiker ordnen sie heute dem Widerstand gegen Hitler zu. Während die Nationalsozialisten bis 1939 die HJ gegen die "Swing-Heinis" prügeln ließen und unsystematisch Musik und Tanzverbote aussprachen, wurde ihre Verfolgung ab Kriegsbeginn unerbittlich. Swing-Jugendliche traf die volle Härte des Regimes: von Misshandlungen durch die Gestapo bis zur Einlieferung ins Jugend-KZ. Moderation: Gabi Gerlach Redaktion: Nicole Ruchlak
Dienstag 15:05 Uhr

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Ö1

Tonspuren

die ursonateZwischen den Zeilen Von Lyrik und ihren Menschen Eine Tonspuren Sommerserie Teil 3: Die Ursonate. Kurt Schwitters dadaistisches Lautgedicht. Feature von Matthias Haydn. Die "Ursonate" oder "Sonate in Urlauten" ist wohl das bekannteste Werk des 1887 in Hannover geborenen Künstlers Kurt Schwitters. Sie schwebt zwischen verschiedenen Kunstgattungen: Sie ist Literatur, Musik, bildende Kunst und Performance. Kurt Schwitters arbeitet neun Jahre lang an seiner phonetischen Dichtung - inspiriert haben ihn Plakatgedichte von Raoul Hausmann. 1932 veröffentlicht Schwitters das Werk in der Nummer 24 seiner Zeitschrift "Merz". Im Sommer des gleichen Jahres baut er eine Hütte auf der norwegischen Insel Hjertøya um - dort wird er in Zukunft die Sommermonate verbringen. 1937 wandert der als "entartet" diffamierte Künstler sogar auf die Nordseeinsel aus. 60 Jahre später reist der Berliner Autor, Journalist und Künstler Wolfgang Müller nach Hjertøya. Er findet Kurt Schwitters" unversperrte Hütte und entdeckt darin zahlreiche Kunstwerke, die Schwitters dort zurückgelassen hatte. Eine andere Entdeckung fasziniert ihn noch mehr: Er ist überzeugt, dass die vielen Stare von Hjertøya Schwitters Ursonate singen.
Dienstag 16:05 Uhr

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Deutschlandfunk

Das Feature

nahostkonfliktWo die Liebe nicht sein soll Liebespaare zwischen den Fronten des Nahostkonflikts Von Sarah Hofmann Regie: Axel Scheibchen Produktion: Dlf 2019 Sie sind die absolute Ausnahme in Israel: jüdisch-muslimische Liebespaare. Von Gesellschaft und Familien beider Seiten abgelehnt, versuchen sie trotzdem, gemeinsam zu leben. Ein Traum, der am Ende oft nur im Ausland möglich ist. Michal, die Israelin liebt Adam, den Palästinenser. Täglich pendelt sie zwischen Tel Aviv und dem Westjordanland, passiert Checkpoints der israelischen Armee, kämpft gegen die Vorbehalte der Familie. Selbst eine Hochzeit kann nicht klären, ob die beiden jemals zusammenleben dürfen. Mya Guarnieri hat all das schon hinter sich. Die Jüdin lebt mit ihrem palästinensischen Mann in den USA. Doch auch in der Ferne lässt ihre Herkunft sie nicht los. Wo die Liebe nicht sein soll
Dienstag 19:15 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

caspar dohmenPiräus - Wem nützt der freie Handel? Von Caspar Dohmen (Wdh. v. 16.04.2018) Freihandel ist gut - das steht in allen Wirtschaftslehrbüchern. Der Engländer David Ricardo prägt mit seiner vor mehr als 200 Jahren veröffentlichten Theorie der komparativen Kostenvorteile bis heute die Sicht. Aber stimmt das wirklich immer? Und wie sieht es in der Praxis aus, wenn auch geostrategische Machtüberlegungen eine Rolle spielen? Der Hafen von Piräus, der eine zentrale Rolle in dem Megaprojekt Seidenstraße spielt, mit dem China seinen Handel ausweiten will, ist die ideale Arena um diese Fragen zu diskutieren.
Dienstag 19:30 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Feature

virtual realityVirtual Reality statt Anästhesie Von Ulrich Land Regie: Giuseppe Maio Mit: Marina Galic und dem Autor Ton: Christian Alpen Produktion: NDR / WDR 2018 Länge: 51"01 Virtual Reality will erwachsen werden. Der Autor ersetzt die Betäubungsspritze beim Zahnarzt durch eine VR-Brille. Er begleitet einen virtuellen Anatomiekurs und eine Simulationstherapie gegen Höhenangst. Der Autor auf dem Zahnarztstuhl, ausgestattet mit einer VR-Brille. Sie soll als Ersatz für die Betäubungsspritze funktionieren. Derzeit ist die Virtual-Reality-Technologie auf dem Sprung vom reinen Unterhaltungsmedium in die Nutzbarkeit für Medizin, Wissenschaft und Ausbildung. Und für die Werbewirtschaft. Kann man etwa seine Empathie und Beziehungsfähigkeit steigern? Wird man sich komplexe Lernstoffe besser aneignen können, wenn man sie sich virtuell-real vor Augen führt? Kann man mit der Rundum-Brille seine Höhenangst überwinden? Ulrich Land, geboren 1956 in Köln, studierte Germanistik, Geografie, Philosophie. Seit 1987 schreibt er Erzählungen, Romane, Reportagen, Essays, Theaterstücke und Lyrik. Schwerpunkt seines Schaffens sind Formate für das Radio. Über 40 Hörspiele und mehr als 60 Radiofeatures hat er verfasst. Außerdem ist er Dozent für Creative Writing in Witten/Herdecke und Vallendar bei Koblenz. Deutschlandradio produzierte von ihm "Krupp, wie er sich auf Capri ergeht" (2005), "Ins Gras gebissen" (2006), "Vernagelt" (2008), "Rheinsberger Restlaufzeit" (2011) und "Häuserkampf" (2015). Sein Roman "Krätze eiskalt" erschien 2018. Der Autor lebt in Freiburg. Virtual Reality statt Anästhesie
Dienstag 22:03 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

matthias loibnerGruppen machen Menschen. Von der Urhorde zur Whatsapp Group (2). Gestaltung: Christian Schüller Pigmente. Partikel für eine bunte Welt (2). Gestaltung: Sabine Nikolay Konzert für Stimme und Kurbelorchester (2). Natasa Mirkovic Matthias Loibner im Doppelporträt. Gestaltung: Dorothee Frank
Dienstag 22:08 Uhr

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