Ö1

Radiokolleg - Forschungsobjekt Ich

oral historyErfahrungswissenschaft Oral History (4). Gestaltung: Ute Maurnböck Vor 50 Jahren wurde eine neue Ära der Geschichtsforschung durch die Gründung der US-amerikanischen Oral History Association wissenschaftlich anerkannt. Mit einem revolutionären Ansatz, der sich seit den 1930er und besonders den 1950er Jahren abgezeichnet hatte: Das Neue und Bahnbrechende dabei war die "Geschichte von unten" zu erzählen. Die Methode der Geschichtswissenschaft, also jene mündlich tradierte Geschichte, die ja eigentlich uralt ist, beschäftigt sich mit dem subjektiven Erleben und Umgang der eigenen Geschichte. Einfache Zeitzeug/innen wurden zum Forschungsmittelpunkt, ihre Erinnerungen waren gleichwertig mit jenen von Adeligen oder Vertreter/innen der herrschenden Gesellschaftsschichten. Zwangsarbeiter/innen im Nationalsozialismus, Überlebende von Naturkatastrophen, Vertreter/innen der Arbeiterklasse, der Frauengeschichte, von sozialen Minderheiten oder einfach der Alltagswelt sind ihre Protagonist/innen. Auch das Oral-History-Projekt der Österreichischen Mediathek, "MenschenLeben", lässt das Jahr 1967 lebendig werden. In persönlichen Erinnerungen erzählen Menschen von der Bedeutung dieses speziellen Jahres für sie. Die Methodik der Befragung hat sich seit ihren Anfängen weiterentwickelt. Kein Interview dauert unter 12 Stunden, die Art der Fragestellung hat sich methodisch verfeinert. Inzwischen ist die Oral History fix in der Geschichtswissenschaft angekommen, auch wenn nach wie vor Kritik daran geübt wird. Wenn es etwa heißt, dass heute schon einfache Interviews in der Geschichtsforschung als Oral History bezeichnet werden oder dass aus der Subjektivität der Erzählungen historische Zusammenhänge abgeleitet werden. Neben dem Wunsch nach einer demokratischen Geschichtsschreibung möchte die Oral History eines erreichen: das aus der Vergangenheit für die Zukunft gelernt wird.
Donnerstag 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

Clarence SaundersSuperkonsum Supermärkte - Die Entwicklung einer Verkaufsstrategie Autor: Lukas Grasberger / Regie: Stefanie Ramb "Mein Name ist Piggly Wiggly / und sie können sich selbst bedienen." Mit diesen Zeilen setzte der Bluessänger Charlie McFadden 1930 einer neuartigen Verkaufsstrategie ein Denkmal. Die Supermärkte des Unternehmers Clarence Saunders hatten zu diesem Zeitpunkt bereits die USA erobert, viele Konkurrenten seine 1917 patentierte Idee des "Piggly-Wiggly"-Ladens nachgeahmt: Statt sich in einem Geschäft in die Warteschlange einzureihen, bis ein Verkäufer die gewünschte Ware über die Theke reichte, machten sich die Käufer im Supermarkt selbst auf die Suche nach den Produkten ihrer Wahl. Der Kunde, der am Regal selbständig Verbrauchsentscheidungen trifft, war geboren. "Dieser empfand die Selbstbedienung als Autonomiegewinn", sagt der Berliner Konsumforscher Wolfgang König. Diese war zeit- wie kostensparend, und ermöglichte doch, Waren und Preise zu vergleichen. Produkte mussten durch optische Aufmachung auf sich aufmerksam machen - und wurden fortan auch aktiv beworben. Den Bedarf großer Warenmengen durch Supermärkte konnten nur Hersteller decken, die auf Massenproduktion umstellten. Rationalisierung und Effizienzgewinne riefen dennoch auch Kritiker des Massenkonsums auf den Plan: Die persönliche Beziehung zwischen Kunden und Verkäufer sei mit den Supermärkten verlorengegangen, hieß es. Umweltschützer bemängelten, das Vorhalten von Waren im Überfluss ebne den Weg in die Wegwerfgesellschaft. Die Konservendose - Essen zum Mitnehmen Autorin: Yvonne Maier / Regie: Frank Halbach Napoleon Bonaparte, Oberbefehlshaber des französischen Militärs, machte sich im Jahr 1795 große Sorgen um seine Soldaten. Nicht wegen der Briten, militärisch hatten die Franzosen einiges drauf. Nein, der gefährlichste Gegner auf Europas Schlachtfeldern der frühen Neuzeit war der Hunger. Tausende Soldaten unterwegs zum Kampf - die Versorgung der Männer mit Nahrung war eine logistische Herausforderung, die kaum zu meistern war. Und in den Zeiten der Massenkriege reichte es auch nicht mehr aus, die Bauern vor Ort auszuplündern. Eine Lösung musste her - und Napoleon lobte einen Preis von 12.000 Franc aus, für denjenigen, der es schaffte, eine praktikable Lösung des Nahrungsmittelproblems zu finden. Wenige Jahre später war sie erfunden und patentiert: die Konservendose. Bei sorgfältiger Handhabung kann man in der Wunderdose Nahrungsmittel fast unbegrenzt haltbar machen. Sie ist robust und verhältnismäßig leicht, so dass nicht nur Soldaten sondern auch Generationen von Campern und Singles auf sie schwören. Konservendosen sind eine technisch-kulinarische Herausforderung, die ersten Dosengerichte waren nicht mehr als matschige Pampe. Heute ist das anders, die Uni Hohenheim hat im Jahr 2008 ein Verfahren entwickelt, dass endlich dafür sorgt, dass Gemüse in Dosen knackig bleibt. Moderation: Iska Schreglmann Redaktion: Nicole Ruchlak
Donnerstag 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Vom Wesen der Hülle

whiskeyVerpackungen, Nutzen und Nebeneffekte (4). Gestaltung: Paul Lohberger Große Mengen Müll entstehen nur durch Verpackungen. Wie kann man sie vermeiden? Ohne Verpackung gäbe es weniger Müll, unsere Warenwelt wäre aber auch eine völlig andere. Zwar gibt es bereits kleine Läden, wo Lebensmittel wieder wie in alten Zeiten verkauft werden - die großen Handelsketten können solche Konzepte aber nicht adaptieren. Die gesamte Logistik wäre ohne Verpackung undenkbar, manche Produkte würden beim Transport kaputt. Mitunter macht aber auch die Verpackung erst das Produkt zu einem solchen; nicht zuletzt sind Verpackungen ein Wirtschaftsfaktor. In Schottland betrifft dies nicht nur die Herstellung von Whiskey, sondern auch die der schönen Verpackungen. Würden wir teuren Whiskey kaufen, wenn er in einer banalen Flasche zu uns kommt, ohne schön gestaltete Schachtel? Die Vermarktung von Zigaretten hängt stark an dem Image, das die Marke über die Verpackung transportiert. Aber auch natürliche Produkte werden künstlich verpackt: Bioäpfel werden auf einer Kartontasse in Klarsichtfolie eingeschweißt. Würden wir sie sonst nicht kaufen? Verpackungen werden aufwendig gestaltet und produziert. Der Aufwand scheint manchmal größer als der für das eigentliche Produkt. Mittlerweile arbeiten nicht nur kreative Designer, sondern auch Forscher an dieser Materie. Wenn Verpackungen zum Produkt gehören, gilt es, umweltverträgliche Materialen zu entwickeln, wie beispielsweise Plastikflaschen aus Biomasse.
Donnerstag 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Die letzte "Diva assoluta" - Maria Callas (192

maria callas3 - 1977) Ein Portrait zum 40. Todestag (1). Gestaltung: Sabrina Adlbrecht "La Divina", die "Göttliche", wurde sie genannt, und eine Zeit lang galt sie sogar als berühmteste Frau der Welt - die Sopranistin Maria Callas. Ihre Triumphe feierte sie in den 1950er Jahren an den großen Opernhäusern der Welt, vor allem an der Mailänder Scala. "Die Callas", griechischer Herkunft und in Amerika geboren, war in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung: Ihre Stimme umfasste in ihren besten Zeiten drei Oktaven. Derart universal angelegt, wurde sie allen drei Sopran-Kategorien gerecht, dem lyrischen, dem dramatischen ebenso wie dem Koloratur-Fach und sprengte damit die traditionellen Kategorien des Opernrepertoires. Dazu kam ein enormes schauspielerisches Talent: Starke Emotionen stellte die Callas nicht nur dar, es entstand vielmehr der Eindruck, sie würde diese tatsächlich durchleben. Dadurch wurden tragische Heldinnen wie die "Violetta" aus Verdis "La Traviata", Bellinis "Norma", Puccinis "Tosca" und Cherubinis "Medea" zu glaubwürdigen Figuren. Für die Sängerin hatten sie geradezu existentielle Bedeutung. Der Musik ordnete die Callas von Anfang an alles kompromisslos unter. Bei ihr gab es nichts Halbherziges, kein Mittelmaß und keine Routine. Als gnadenlose Perfektionistin selten mit sich zufrieden, konnte sie unprofessionelles Verhalten anderer nicht ausstehen. All das hat wohl auch den Umgang mit ihr schwierig gemacht und ihr letztlich den Ruf einer Diva im negativen Sinn eingebracht. Außerdem entsprachen starke Frauen wie sie in der Nachkriegszeit einfach nicht dem weiblichen Ideal. Jedenfalls wurde Maria Callas wie kein anderer Bühnen- und Filmstar der Zeit angefeindet. Sie galt als egozentrisch, jähzornig und unberechenbar. Zu diesem Bild trugen ganz wesentlich die Medien bei: Aufsehen erregende Absagen, Prozesse, Rivalitäten und vor allem das Privatleben der Sängerin standen immer mehr im Mittelpunkt. Als sie eine Liaison mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis einging, war es längst nicht mehr die Opern-, sondern die Jetset-Diva, über die genüsslich berichtet wurde. Als die sich und andere Fordernde und oft Überfordernde stimmliche Probleme bekam, trat sie nicht mehr auf. Ende der 60er Jahre war ihre Karriere zu Ende. Maria Callas starb am 16. September 1977 in Paris an Herzversagen. Sie wurde nur dreiundfünfzig Jahre alt.
Donnerstag 09:45 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

reptilienTiere, die nicht jeder mag Amphibien und Reptilien - Glatt, glitschig und genial vielseitig Autorin: Iska Schreglmann / Regie: Sabine Kienhöfer Säugetiere wie die Maus, Vögel wie der Habicht und Reptilien wie die Schlange - sie alle würde es nicht geben ohne die Amphibien! Als Urahnen aller Landwirbeltiere haben die Amphibien vor Hunderten von Jahrmillionen den Schritt aus dem Wasser ans Land geschafft und sich zu einer extrem vielfältigen Klasse entwickelt: Fast 7.000 Arten von Amphibien gibt es heute und jährlich werden etwa 200 neue entdeckt. Die meisten dieser Lurche leben als Larve im Wasser und wandeln sich anschließend zum Landlebewesen. Um zu überleben, haben Amphibien erstaunliche Anpassungsstrategien entwickelt: So überwintern manche Frösche, indem sie sich auf den Grund eines Teiches sinken lassen und ihren Stoffwechsel derart verlangsamen, dass das Herz nur noch wenige Male in der Minute schlägt. Ihre stammesgeschichtlichen Nachfahren, die Reptilien, stehen ihnen in Erfindungsreichtum nicht nach: Manche Echsen verlieren im Kampf um Leben und Tod ihren Schwanz, der den Fressfeind durch heftige Zuckungen ablenkt. Lederschildkröten können bis in eine Tiefe von 1.200 Metern tauchen und die Rennechse schafft es an Land immerhin auf eine Geschwindigkeit von fast 30 Stundenkilometern - Reptilien und Amphibien sind gleichermaßen rekordverdächtig! Die Kröte - Lautstark und geheimnisvoll Autor: Rolf Cantzen / Regie: Christiane Klenz "Dick und hässlich, fett und grässlich ..." wie hier in Christian Andersens Märchen "Die Kröte" sind diese Tiere zunächst keine Sympathieträger: Ihre Haut ist schleimig und warzig, ihre Laute gelten nicht als schön, ihr Anblick provoziert eher Ekel als Interesse. In der Kulturgeschichte spiegeln sich diese negativen Zuschreibungen wider: Die Kröte gilt - mehr noch als der artverwandte Frosch - als Tier des Teufels, das in keinem Hexentrank fehlen darf. Auch die Naturforscher der Aufklärung wie Carl von Linné konnten sich dem nicht entziehen: "Diese widerlichen, ekelerregenden Tiere sind verabscheuungswürdig...". Heutige Zoologen widmen sich den etwa 500 verschiedenen Arten von Kröten mit zunehmendem Interesse, weil ihr Lebensraum durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten begrenzt und ihr Überleben durch Pestizideinsatz in der Landwirtschaft weltweit gefährdet ist. Andererseits werden vor allem in Südostasien immer wieder neue Arten von Kröten und anderer Froschlurchen entdeckt. Moderation: Leslie Rowe Redaktion: Bernhard Kastner
Donnerstag 15:05 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

sexualisierte Gewalt"Wenn du gelitten hast, ist das hier das Paradies" Vergewaltigung und Flucht - Leben nach dem Trauma Von Susanne Billig und Petra Geist In Deutschland gibt es zahlreiche Beratungsstellen, die sich um Frauen kümmern, die im Krieg und auf der Flucht vergewaltigt wurden. Therapieangebote stoßen jedoch häufig an Grenzen, denn die meisten Geflüchteten kommen aus Kulturen, in denen die Ehre der Familie eine zentrale Rolle spielt. Die meisten Frauen sprechen darum nicht über sexualisierte Gewalt. Sie schweigen untereinander und es fällt ihnen sehr schwer, sich gegenüber Therapeutinnen und Therapeuten zu öffnen. Wie viel Unterstützung braucht es für das Leben nach dem Trauma und wie können Hilfsangebote und Therapien eine Brücke schlagen?
Donnerstag 19:30 Uhr

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Radiokolleg

maria callasForschungsobjekt Ich. Erfahrungswissenschaft Oral History (4). Gestaltung: Ute Maurnböck Vom Wesen der Hülle. Verpackungen, Nutzen und Nebeneffekte (4). Gestaltung: Paul Lohberger Die letzte "Diva assoluta" - Maria Callas (1923 - 1977). Ein Portrait zum 40. Todestag (4). Gestaltung: Sabrina Adlbrecht
Donnerstag 22:08 Uhr

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