Ö1

Radiokolleg - Erkundungen des literarischen Feldes

Beziehungen, Business und Bedeutungen (4). Gestaltung: Peter Zimmermann Man kann es System nennen oder Raum, aber das Feld ist eine anschauliche Metapher für einen Bereich, der einerseits in sich geschlossen ist, der nach bestimmten Regeln funktioniert und dessen Grenzen dennoch nicht klar gezogen sind. Man kann ein Feld sanktionsfrei betreten und es wieder verlassen, sofern keine Autorität Sanktionen verhängt. Das ist in der Regel eine politische Autorität, ein Führer, ein Diktator, unter dessen Herrschaft Gebote und Verbote verhängt werden, die keinerlei Autonomie zulassen. Das literarische Feld, wie wir es in einem westlich-demokratischen Staat vorfinden, ist in Europa und in den USA in vielerlei Hinsicht ähnlich strukturiert, in vielen Details jedoch geprägt von regionalen Eigenheiten. Und die sind kulturell gewachsen. Der Globalisierung zum Trotz funktioniert das literarische Feld noch sehr traditionell, anders als etwa das Feld der Kunst. Dort hat Internationalität einen anderen Stellenwert. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Erstens: Der Marktwert von Literatur ist, mit wenigen Ausnahmen, als bescheiden zu veranschlagen. Zweitens: Die Sprache der Literatur ist nicht universell. Das heißt: auch wenn sie von Erfahrungen handelt, die alle Menschen gemacht haben oder machen können - Liebe, Tod, Verrat und so weiter - muss sie in irgendeiner Weise verortet sein. Folgende Fragen sind zu stellen: Was ist ein Schriftsteller und wie wird man zu einem? Was ist der Sinn von Literatur? Ist sie abhängig von ihren Entstehungsbedingungen? In welcher Beziehung stehen die Akteure des Feldes zueinander, also Autoren, Verlage, Medien, Veranstalter, Leser?
Donnerstag 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

Bildung, und so ... Wissen als Währung -Die Geschichte des Bildungsbürgertums Autor: Christiane Neukirch / Regie: Martin Trauner "Bildungsbürger". Dieses Wort, einst als reine Definition gedacht, wird heute oft abschätzig gebraucht, als Synonym für Arroganz, Besserwisserei und Wagenburgmentalität. Dabei gilt Bildung gerade heute als hohes Gut. Sie funktioniert als Währung für Wohlstand in einem Land, das mangels materieller Rohstoffe auf geistige Güter angewiesen ist. Bildungsbürger haben, in Ämtern als Lehrer, Forscher und Staatsverwalter, einst für den Ausbau eines Bildungssystems gesorgt. Woher aber kam diese relativ neue Gesellschaftsschicht, die ab dem 18. Jahrhundert als Mittelstand zwischen Adel und Arbeiter heranwuchs? Ist sie heute noch lebendig oder schon ein museumreifes Auslaufmodell? Ein Mann, ein Buch - Konrad Duden und die Rechtschreibung Autor: Markus Mähner / Regie: Sabine Kienhöfer Sein Name steht unumstößlich für das Maß aller Dinge in Sachen deutsche Rechtschreibung und Grammatik. Wer richtig deutsch schreiben will, kommt am "Duden" nicht vorbei. Doch wie kommt es, dass gerade jener Konrad Duden, dem als junger Student in deutscher Grammatik ein "mangelhaft" attestiert wurde, das non-plus-ultra in Sachen Orthographie wurde? Duden war ein höchst engagierter Schulrektor, der seine Schüler nicht nur auf einheitliche Rechtschreibung trimmte, sondern ihnen Kenntnisse in der aufkommenden Handelssprache Englisch verordnete. Doch um eine einheitliche Rechtschreibung der deutschen Sprache kämpften im 19. Jahrhundert viele. Warum setzte gerade Duden sich durch? Und warum gerade zu jener Zeit - kurz nach der Deutschen Einigung von 1871? Markus Mähner portaitiert den Mann hinter dem Buch. Moderation: Leslie Rowe Redaktion: Nicole Ruchlak
Donnerstag 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Equus

Von Pferden und Menschen (4). Gestaltung: Sarah Kriesche "Der Exodus des Pferdes aus der Menschengeschichte ist ein erstaunlich unbeachteter Vorgang. Ganze Bibliotheken zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts schweigen sich aus über das Pferd, das gleichwohl in Europa und Amerika allgegenwärtig war - bis das letzte Jahrhundert der Pferde in der Zeit Napoleons anbricht und mit dem Ersten Weltkrieg ausklingt.", so der Autor Ulrich Raulff in seinem Buch "Das letzte Jahrhundert der Pferde", in welchem er die Auflösung der "Arbeitsgemeinschaft" zwischen Mensch und Pferd im Lauf der Jahrhunderte beleuchtet. Das "Ö1 Radiokolleg" begibt sich auf die Spuren des Miteinanders von Mensch und Pferd und beleuchtet seine Rolle in der Wirtschaft, der Kunst, aber auch der Kultur, die mit ihnen einhergeht. Vor allem Reiterstatuen, die Stadtbilder mitgestalten, erinnern an die Zeit und die Rolle des Pferdes vor seinem Wandel vom Nutz- zum Haustier; Sie waren nicht nur das Symbol für die Größe und die Stärke eines Herrschers, sondern auch kriegsentscheidend. Ohne Pferde wären die Strecken, die es zur Eroberung und Verteidigung von Gebieten gebraucht hatte, nicht zu bewältigen gewesen. Manch besonders edlem Ross wurde dementsprechende Ehre zuteil. Bukephalos etwa, der Hengst von Alexander dem Großen, bekam eine eigene Bestattung in einem prunkvollen Mausoleum. Ihm zu Ehren gründete Alexander außerdem die Stadt Alexandreia Bukephalos, das heutige Jhemal in Pakistan. Der größenwahnsinnige Caligula ließ seinem Lieblingspferd "Incitatus" bereits zu Lebzeiten einen eigenen Palast bauen. Das Rennpferd besaß eigene Diener, kostbare Möbel, ein Halsband aus Edelsteinen und trank bei Festen aus goldenen Pokalen. Ein ständiger Sitz im Senat wurde vereitelt, da sein Herr ermordet wurde, bevor er Incitatus - wie geplant- zum Konsul ernennen konnte. Auch in der Mythologie und Sagenwelt ist das Pferd - und alle daraus entstehenden Fantasieformen - quasi ein Fixbestandteil. Zentauren, Einhörner oder fliegende Pferde sind ständige Begleiter in Mythen, Märchen und Göttersagen, durch die man die Welt und Naturerscheinungen erklärbar machen wollte. Bis heute prägen ihre Legenden Kulturen. Sleipnier etwa, der "Dahingleitende", war das achtbeinige Pferd des nordischen Gottes Odin. Einmal stolperte er, konnte sich aber fangen, indem er seinen Fuß auf Nordirland setzte. Bis heute ist sein Hufabdruck, in Form der Ásbyrgi-Schlucht zu sehen. Ob in den Massenmedien und Serien wie "Fury" oder "Black Beauty", im Sprachgebrauch, wo man das Pferd lieber nicht von hinten aufzäumen will, thematisch gut beschlagen ist und dem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, bis hin zu einem der berühmtesten Wahrzeichen Wiens - den Lippizanern - selten hat ein Miteinander von Mensch und Tier Kulturen so intensiv und nachhaltig geprägt.
Donnerstag 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Horizontal und vertikal

Von Melodik und Harmonik (4). Gestaltung: Martin Adel Wer wüsste nicht, was eine Melodie ist? - man singt, pfeift, spielt sie nach; man erkennt sie wieder; oder sie sitzt einem als Ohrwurm im Kopf. Man könnte sie auch einfach definieren als zeitliche Tonfolge, die von bestimmten Tonintervallen und Rhythmus strukturiert und charakterisiert ist. Man könnte auch von einer typischen Melodik der italienischen Oper (beispielsweise) sprechen; - aber Verfeinerungen dieser Art machen die Sache im Prinzip nicht anders, nur schwerer zu beschreiben. Tatsächlich komplizierter ist es da mit der Harmonik! Die Harmonik regelt - ganz grob gesprochen - den Zusammenklang mehrerer Töne, d.h. Mehrstimmigkeit, allerdings angefangen von der frühen Mehrstimmigkeit des (europäischen) Mittelalters bis hin zu den Klangstrukturen der Avantgarden. So ist auch eine der vielen Fragen, die sich über das lange wechselseitige Verhältnis von Melodie und Harmonie auftun, nicht zuletzt diese: Haben nicht gerade diese Avantgarden immer wieder versucht, den "Spieß" umzukehren und eine Musik ohne Melodie zu komponieren? Oder auch jene andere Frage: Weltharmonie, Weltharmonik - wie, was, wann, wo? Harmonie ist doch "einigermaßen" der Gegensatz zu Chaos, d.h. geordnet, regelhaft, im traditionellen Sinne aber jedenfalls "wohl proportioniert" oder auch um Spannungsausgleich bemüht! Zumindest Letzteres kann man von der Harmonik gerade nicht behaupten. Vielleicht sind dafür unsere "Ohrwascheln" "von-Haus-aus" zu sehr melodieorientiert, womit das Komponieren und (Zu-)Hören von harmonischen Klanggebilden zur (steigerungsfähigen) hohen Kulturleistung avanciert? Man wird vermutlich nicht falsch liegen mit der These, dass die Herausforderungen des Komponierens - im Laufe der Jahrhunderte - deren melodische Schöpfungen zwar keineswegs obsolet gemacht, aber deren harmonische Komplexität und Kompliziertheit haben steigen lassen. Immerhin scheint es zu kurz gegriffen, wollte man der Melodik das Gefühl zuschreiben und der Harmonik das intellektuelle Vergnügen an musikalischer Artistik.
Donnerstag 09:45 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

agaveDie Wüste lebt Die Agave - eine edle Wüstenpflanze Autorin und Regie: Sabine Kienhöfer Mal dunkelgrün glänzend, mal bläulich schimmernd; über 200 verschiedene Agavenarten gibt es, von denen heute viele bei uns als Zierpflanzen beliebt sind . Doch eine gebürtige Europäerin ist die Pflanze nicht. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Süden der Vereinigten Staaten von Amerika über Mexiko bis nach Südamerika hinein. Der Name Agave leitet sich von dem griechischen Wort agavos für edel oder prachtvoll ab und ist Programm. Mit einer Höhe von bis zu 12 Metern zählt der Blütenstand der Agave zu den größten im ganzen Pflanzenreich. Weil man früher davon ausging, dass die Agave erst nach 100 Jahren blüht, wurde sie oft als "Jahrhundertpflanze" bezeichnet. Tatsächlich können bis zur Ausbildung der Blüte Jahrzehnte vergehen. Die langlebige Pflanze hat auch eine lange Geschichte als Nutzpflanze. Schon die indigenen Kulturen in Mexiko ernährten sich von ihren Knospen und Blättern und verarbeiteten die Blattfasern zu Schnüren. Bis heute werden viele Seile, Matten Pinsel und Bürsten aus den Fasern von Sisalagaven hergestellt. Und praktisch weltweit bekannt ist ein alkoholisches Agavengetränk, das auch schon seit Jahrhunderten gebrannt wird, der Tequila. Der Baobab - der Baum der Geister Autorin: Bettina Rühl / Regie: Susi Weichselbaumer Marmelade, Bonbons, Limo, Kosmetik und Massageöl - diese Produkte und noch viel mehr werden aus dem afrikanischen Baobab-Baum gewonnen, der vor allen in eher trockenen Gegenden wächst. Mit seiner meist blätterlosen Krone, die eher wie Wurzelwerk wirkt, wurde er zu einem der "Wahrzeichen" Afrikas. Die Produkte, die aus dem Fleisch seiner Früchte und seinen Samen gewonnen werden, sind in Europa zur Zeit besonders beliebt: Weil sie voller Vitamine und Mineralien sind, passen sie gut zur aktuellen Welle veganer und allgemein gesundheitsbewusster Ernährung. Die Afrikaner nutzen den Baobab-Baum allerdings schon seit vielen Jahrhunderten. Aus dem sehr vitaminreichen Fleisch seiner Früchte bereiten beispielsweise die Kenianer eine traditionelle Süßigkeit namens Mabuyu zu. Rinde und Blätter werden in der traditionellen Medizin verwendet, die Blätter auch als Salat oder Gemüse gegessen. Übrigens: die Geister, die im Baobab wohnen, wurden traditionell mit Palmwein besänftigt. Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um den Baum. Ihn zu fällen, gilt als Tabu. Moderation: Iska Schreglmann Redaktion: Gerda Kuhn
Donnerstag 15:05 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

LügenDas Lügen der Anderen Forschungen zur Interkulturalität des Lügens Von Andrea und Justin Westhoff Alle Menschen lügen, jeder angeblich mehrmals am Tag. Aber sie tun es sehr unterschiedlich, nicht nur individuell, sondern auch abhängig von ihrer Herkunft. Lügen ist im Wesentlichen eine sprachliche Äußerung, und die verbale ebenso wie die nonverbale Kommunikation werden entscheidend von der Kultur geprägt. So lügen zum Beispiel Europäer mit ihrer eher individualistischen Sozialisation anders als etwa Afrikaner oder Asiaten, deren Kulturen stärker auf das Kollektiv ausgerichtet sind. Auch die gesellschaftliche Definition verschiedener Arten von Unehrlichkeit sowie die Bewertung von Wahrheit führt zu unterschiedlichen Täuschungsmanövern. Die neuere Lügenforschung stellt sich deshalb nicht nur zunehmend interdisziplinär sondern vor allem auch kultursensibel auf.
Donnerstag 19:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

Erkundungen des literarischen Feldes. Beziehungen, Business und Bedeutungen (4). Gestaltung: Peter Zimmermann Equus. Von Pferden und Menschen (4). Gestaltung: Sarah Kriesche Horizontal und vertikal. Von Melodik und Harmonik (4). Gestaltung: Martin Adel
Donnerstag 22:08 Uhr

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