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Radiokolleg

KognitionswissenschafterWie Sprache unser Denken und Handeln bestimmt (4). Gestaltung: Tanja Malle Worte haben bemerkenswerte Wirkung. Hören Menschen, dass sich eine Person im fünften Stock befindet, wandert ihr Blick automatisch nach oben. Lesen sie den Satz "John tritt den Ball", aktiviert ihr Gehirn jenen Bereich, der für das Planen von Fußbewegungen zuständig ist. Wer das Bild eines Geparden zu sehen bekam, schätzte die Geschwindigkeit eines Läufers schneller ein, als der, dem das Bild einer Schildkröte gezeigt wurde. Zu diesen Ergebnissen kommen Kognitionswissenschafter/innen. Das bedeutet: Das Gehirn simuliert den Inhalt von Sprache automatisch, um ihn zu begreifen. Und es überträgt Gehörtes oder Gelesenes auf andere Dinge und Menschen, die mit dem Erlebten nichts zu tun haben. Das alles passiert unbemerkt. Politikerinnen und Politiker nutzen das. Sie verwenden Worte bewusst, um in unseren Köpfen so genannte Frames zu stärken. Gemeint sind damit Interpretationsrahmen, die das Gehörte oder Gesehene mit Bedeutung aufladen. Ein Beispiel ist das Wort Steuerlast, das Steuern als Belastung darstellt. Tatsächlich aber werden über Steuern auch Krankenhäuser, Schulen und das Verkehrsnetz finanziert. Weitere Beispiele sind etwa die Begriffe Flüchtlingswelle und Flüchtlingsstrom - geflüchtete Menschen werden dabei als Wassermassen, als lebensbedrohliche Naturkatastrophe, dargestellt. Damit wird das Bild einer Bedrohung gezeichnet, der nur beizukommen ist, indem die Schotten dicht gemacht werden - oder, indem, wie von dem US-Präsidenten Donald Trump gefordert, eine undurchlässige Mauer errichtet wird. Durch gezielte Provokationen und die Bereitschaft, Tabus zu brechen, bekommt Donald Trump enorme Medienpräsenz. Mitunter schien es, als würde er seine Reden und Statements unüberlegt und spontan aus dem Ärmel schütteln, doch dahinter steht Strategie. Auf sein Konto gingen in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit 7.654 Lügen bzw. irreführende Behauptungen. Medien geben diese oft eins zu eins wider - doch so werden diese Lügen und irreführende Behauptungen in unseren Köpfen verankert. Das bestätigen Erkenntnisse aus der Neurolinguistik und Psychologie. Deren bekanntester Vertreter ist wohl George Lakoff von der University of California in Berkley. Er hat Strategien entwickelt, wie dem strategischen Einsatz von bestimmten Worten, Metaphern, irreführenden Behauptungen und Lügen beizukommen ist. Ein weiteres Beispiel für die Macht der Worte sind Hassreden. Sie verschieben nicht nur die Grenzen des Sagbaren, sondern bereiten den Boden für manifeste Gewalt auf. Wiederkehrende Hasssprache entwertet bzw. entmenschlicht bestimmte gesellschaftliche Gruppen und senkt die Hemmschwelle, Gewalt gegen sie zu üben. Faktenbasierte Kommunikation verschafft sich dann nur noch schwer Gehör. Tanja Malle präsentiert aktuelle (neuro)linguistische Erkenntnisse über die Macht der Worte und fragt nach, wie diese genutzt werden können.
Donnerstag 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

meditationStufen des Bewusstseins Trance, Meditation, Schlaf, Hypnose Tagträume Unser Spiel mit der Wirklichkeit Das Kalenderblatt 28.3.1810 Haydns Papagei wird versteigert Von Brigitte Kohn Stufen des Bewusstseins - Trance, Meditation, Schlaf, Hypnose Autorin: Veronika Bräse / Regie: Dorit Kreissl Wir erleben nur den Wachzustand wirklich bewusst. Täglich durchleben wir aber noch einen weiteren Bewusstseinszustand: den Schlaf. Er bildete früher in der Wahrnehmung der Menschen das Tor zum Universum oder zu Gott. Heute dient er - nach modernen, aufgeklärten Maßstäben - vor allem der Regeneration von Körper und Geist. Das Gehirn ist nachts nicht abgeschaltet. Wir sind im Schlaf nicht "bewusstlos", viele Prozesse laufen weiter, wenn auch unter anderen Vorzeichen als tagsüber. Ein weiterer Bewusstseinszustand ist die Hypnose; auch dabei können Patienten, ähnlich wie im Schlaf, äußere Wahrnehmungen weitgehend ausblenden und sich auf ihr inneres Erleben konzentrieren. Schließlich wäre da auch noch der Trancezustand: auch er bewirkt, dass Menschen wie "abwesend" wirken. Trance lässt sich unter anderem durch rhythmische Sinnesreize wie Trommeln oder Gesang auslösen. Auch im Gebet oder während einer Meditation schweben wir sozusagen "in anderen Sphären". Unterschiedliche Bewusstseinszustände gehören seit jeher zum Erfahrungsschatz der Menschheit. Tagträume - Unser Spiel mit der Wirklichkeit Autorin: Christiane Neukirch / Regie: Petra Herrmann Rund 50 Prozent unserer Wachzeit verbringen wir mit Tagträumen. Das sind - so die Ergebnisse der Neurowissenschaft - 2000 Denkeinheiten pro Tag, mit denen wir vom aktuellen Geschehen abschweifen. So viel vertane Zeit? Das mag sich fragen, wer mit der Ansicht aufgewachsen ist, Tagträumen sei der Disziplin abträglich und schädlich für schulischen und beruflichen Erfolg. Das Gegenteil ist der Fall, sagen Forscher und Forscherinnen heute. Kreative Köpfe wir Albert Einstein, Johannes Brahms und Woody Allen sind bekennende Tagträumer. Therapeutinnen und Coaches machen sich Tagträume längst für verschiedenste Zwecke zunutze. Zunehmend interessiert sich die Wissenschaft für diese Fähigkeit, uns eine innere Wirklichkeit selbst zu erschaffen. Am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig sind Forscherinnen und Forscher dem Phänomen auf den Spuren. Die Sendung berichtet vom Sinn der inneren Bilder. Moderation und Redaktion: Iska Schreglmann
Donnerstag 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

LeerverkaufI wie Insiderhandel, J wie Joint Venture, K wie Kartell, L wie Leerverkäufe (4). Gestaltung: Juliane Nagiller, Marlene Nowotny *L wie Leerverkauf* Bei den meisten Finanzgeschäften setzen die Investorinnen und Investoren darauf, dass der Wert eines Marktes größer wird und die Preise steigen. Das ist etwa bei Aktien der Fall: Entwickelt sich ein Unternehmen gut, steigt im Normalfall der Aktienpreis. Leerverkäufe bieten dagegen die Möglichkeit, auf fallende Preise zu spekulieren und damit andere Anlagen, wie Derivate oder ganze Portfolios abzusichern. Denn die werfen normalerweise nur dann Gewinn ab, wenn es wirtschaftlich bergauf geht. Bei Leerverkäufen wetten Anlegerinnen und Anleger auf eine negative Kursentwicklung. Dabei verkauft man Aktien, die man noch gar nicht besitzt. Beim Leerverkauf leihen sich die Verkaufenden Aktien eines kleinen Unternehmens und verkaufen die Wertpapiere zum aktuellen Marktpreis. Nach einiger Zeit geben sie die Aktien, die sie zum jetzt üblichen Marktpreis erstanden haben, zurück. Ist der Kurs, wie erhofft, gefallen, machen die Leerverkäufer einen Profit. Ist der Kurs dagegen gestiegen, steht ein großer Verlust ins Haus. Die Finanzmarktaufsicht reguliert Leerverkäufe mitunter: Setzen zu viele Anleger auf dieses Finanzinstrument, könnte das eine Abwärtsspirale am Finanzmarkt in Gang setzen. Das war beispielsweise 2008 der Fall. Damals untersagten die USA und Groß Britannien etwa Leerverkäufe von Aktien wichtiger Unternehmen, um der Finanzkrise zu begegnen. Gestaltung: Marlene Nowotny
Donnerstag 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

Clara WieckGemeinsam arbeiten - gemeinsam leben (4). Gestaltung: Nadja Kayali, Michaela Schierhuber Inspiration und Konkurrenz, gemeinsames Schaffen oder rivalisierendes Oeuvre, Spannungen zwischen der Wahrnehmung als Individuum und in Verbindung mit der zweiten Person: das Verhältnis von Komponist/innen zu musikalisch künstlerisch schaffenden Partner/innen ist von vielen Besonderheiten geprägt. Doch zunächst: was ist das überhaupt, ein Paar? Im Rahmen der verschiedenen Möglichkeiten, die eine Antwort auf diese Frage darstellen kann, stehen die Beziehungen als "Liebespaar" und "Geschwisterpaar" im Mittelpunkt, in der zumindest ein Part komponierend tätig ist. Denn alleine in diesen Kombinationen gibt es in der Musikgeschichte zahlreiche Beispiele, von Wolfgang Amadé Mozart, sowohl mit seiner Schwester Maria Anna als auch mit seiner Ehefrau Constanze Mozart, über Clara Wieck und Robert Schumann bis zu Felix Mendelssohn und Fanny Hensel, von Louise und Aristide Farrenc über Alma und Gustav Mahler zu Nadia und Lily Boulanger, von Faustina Bordoni und Johann Adolf Hasse über Guiseppe Verdi und Giuseppina Strepponi zu Benjamin Britten und Peter Pears. Gemeinsam arbeiten, gemeinsam leben. Welchen Herausforderungen sind Menschen in "musikalischen Paarbeziehungen" ausgesetzt und wie sieht das gemeinsame Berufs- und Privatleben von ausgewählten Paaren im Bereich der Klassischen Musik aus. Gegenseitige künstlerische Befruchtungen, Neid auf das Schaffen des Anderen, Rollenverteilungen und Rollenbilder, aber auch Veränderungen der eigenen Künstlerpersönlichkeit durch die Paarbeziehung und unterschiedliche Selbst- und Fremdwahrnehmung stellen die Eigenheiten in diesen Beziehungen dar.
Donnerstag 09:45 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

kristalleIm Reich der Kristalle Wie entstehen Mineralien und ihre Formen? Die Magie der Steine Mineralien in Kult und Mythologie Das Kalenderblatt 28.3.1810 Haydns Papagei wird versteigert Von Brigitte Kohn Im Reich der Kristalle - Wie entstehen Mineralien und ihre Formen? Autorin: Claudia Steiner / Regie: Axel Wostry Glitzernd, schillernd, faszinierend: Mineralien können farblos oder milchig trüb sein wie Quarz, schwarz wie Graphit oder grau-grün wie Chlorit. Wissenschaftler kennen mehrere Tausend Mineralien, die wiederum Bausteine von Gesteinen sind. Sie werden durch Kristallisation, Schmelzen, in wässrigen Lösungen oder Gasen gebildet. Zunächst lagern sich Atome und Ionen zusammen und bilden einen sogenannten Kristallisationskeim. Ab einer bestimmten Größe und unter bestimmten Bedingungen bildet sich dieser weiter - es entsteht ein Mineral. Forscher unterscheiden zwischen kubischen und hexagonalen Formen. Das weltweit am häufigsten vorkommende Mineral ist Feldspat gefolgt von Quarz. Je nachdem wie die Kristallgitter aufgebaut sind, können Mineralien sehr hart oder eher weich sein. Talk weist die geringste Härte auf. Zu den härtesten und sicher auch begehrtesten Mineralien zählen Diamanten. Die Magie der Steine - Mineralien in Kult und Mythologie Autorin: Carola Zinner / Regie: Rainer Schaller Mineralien und Steine gehören zu den ältesten Rohstoffen, die sich der Mensch nutzbar machte; ihre Gewinnung und Verarbeitung haben ganzen Epochen ihren Stempel aufgedrückt. Schon früh tritt dabei neben die praktische Nutzung auch die Verwendung für kultische Objekte. Dabei spielen zum einen außergewöhnliche Formen von Steinen eine Rolle, wie sie durch natürliche Prozesse entstehen können. So standen etwa große Lochsteine im Mittelpunkt von Totenritualen, aber auch von Heilungs- und Reinigungszeremonien, bei der die Betroffenen durch die Öffnung des Steines schlüpften bzw. gehoben wurden. In anderen Fällen waren und sind es Farbe und Beschaffenheit von Steinen und Mineralien, die ihre Bedeutung ausmachen. Hier sind an erster Stelle die Edelsteine zu nennen: Diamanten, Rubine, Smaragde und Saphire finden sich in Königskronen und Bischofsstäben, am Rahmen von Ikonen und in der Fassung von Reliquien. Und immer symbolisieren die funkelnden Steine Kraft und Reichtum, Macht und Schutz. Moderation: Gabi Gerlach Redaktion: Bernhard Kastner
Donnerstag 15:05 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

SpinnenDer Dschungel Zuhause Das kaum erforschte Reich der Insekten, Spinnen und Mikroben, die bei uns leben Von Marko Pauli Krabbeln, kriechen, schweben - Zuhause sind wir niemals allein. Insekten, Spinnen und Mikroben leben von und mit den Menschen, beschützen oder attackieren sie. Die Forschung kratzt bisher nur an der Oberfläche. Der Mensch verbringt etwa 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen. Dort ist er nur eines von abertausenden Lebewesen: Insekten, Spinnentiere, Bakterien und Pilze leben in jedem Haushalt, ob man es will oder nicht. Auch solche, die eigentlich nur in extremen Lebensräumen wie Wüsten oder Polarregionen zu vermuten sind, fühlen sich bei uns zuhause - im Ofen, im Tiefkühlfach oder im Duschkopf etwa. Von dieser bisher kaum bekannten, offenbar nur selten feindseligen Welt direkt um uns herum berichtet der US-amerikanische Ökologe Rob Dunn in seinem Bestseller ,Never Home Alone" und in diesem Feature. Es lohnt sich, diese für uns unsichtbaren Lebewesen näher kennenzulernen. Das zeigt sich schon daran, dass die neueste, leicht zu handhabende Technik, mit der immer mehr Mikroben-DNA entschlüsselt wird, nur durch den Einsatz eines bestimmten Bakteriums möglich ist. Die Mikrobiologie erforscht weiteres Potenzial: Wo und wie werden die Kleinstlebewesen zukünftig für uns nützlich sein? Die Insekten sind die sichtbaren Mitbewohner im Haus, und ihre Kraft sich dort neuen Umgebungen und Bedingungen anzupassen übersteigt die jedes Pestizides. Die Arten dagegen, die außerhalb des Hauses gelebt haben, werden immer weniger. Nur noch alte Sammlungen in Instituten geben Zeugnis davon ab, was da mit uns zusammenlebt oder -gelebt hat.
Donnerstag 19:30 Uhr

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Radiokolleg

Joint VentureDie Macht der Worte. Wie Sprache unser Denken und Handeln bestimmt (4). Gestaltung: Tanja Malle Das ABC der Finanzwelt. I wie Insiderhandel, J wie Joint Venture, K wie Kartell, L wie Leerverkäufe (4). Gestaltung: Juliane Nagiller, Marlene Nowotny Musikpaare in der Klassik. Gemeinsam arbeiten - gemeinsam leben (4). Gestaltung: Nadja Kayali, Michaela Schierhuber
Donnerstag 22:08 Uhr

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